Abhyasas- Übungen

Yoga ist eine gelebte Philosphie. So wird und wirkt Yoga erst richtig gehaltvoll, wenn es uns gelingt, das gelernte von der Yogamatte mit in den Alltag zu nehmen. Yoga setzt sich aus vielen fein aufeinander abgestimmten, traditionellen Einzelteilen zusammen. Wie kleine Zahnräder greifen diese ineinander und begleiten uns auf unserem Weg zu einem befreienden und liebevolleren, offenen Lebensstil. "Asanas" sind dabei nur ein achtel vom Ganzen. Deshalb erhalten wir während der Kurse Enblicke in die Philosophie des Yoga.

Der Körper dient uns als Vehikel zu subtileren Ebenen. Durch die Sensibilisierung für Körper und Geist erhalten wir die Chance, Unterscheidungskraft zu gewinnen, uns von Anhaftungen zu befreien, entspannter in den Alltag zu gehen und harmonischer mit unserer Umwelt zu leben.

Hier eine kleine Erläuterung verschiedener Praktiken:


yama

 ethische Verhaltensformen im (nicht nur) Zwischnemenschlichen Miteinander.

 

niyama

 ethische Verhaltensformen (nicht nur) die eigene Persönlichkeit betreffend

 

krija

 Hierbei handelt es sich um Reinigungsübungen, die nicht nur den Körper, sondern auch unsere inneren, feinstofflichen Kanäle putzen sollen- auf diese Weise werden unsere "Antennen" wieder auf Empfang gestellt. Gifte, Schlacken, Stress aber auch Emotionen wie Wut oder Aufregung können hierbei abgebaut werden. Gereinigte Kanäle fördern den besseren Fluß von Energie. Ein gereinigter Körper verhilft zu einem klareren Geist.


asana

 Hierbei handelt es sich um körperliche Übungen. Nach Patanjali wurde hierrunter das Sitzen als Solches verstanden. Um die festigkeit für ein meditatives Sitzen gewinnen zu können, bereiten wir uns mit überwiegend statischen Dehnübungen vor. durch ein längeres Halten der Übungen gewinnen wir Zeit und Raum für Beobachtung. Wir kommen in Berührung mit unserem inneren Schweinehund, entdecken vielleicht übertriebenen Ehrgeiz oder Eitelkeit- suchen die Distanz und beobachten - bewertungsfrei. Verspannungen können sich lösen und einen besseren Energiefluss fördern. Über den Körper können wir eigene Verhaltensmuster erkennen und verstehen lernen, Selbstreflexion. Ein Verstehen physiologischer und auch psychologischer Prozesse. So finden wir von der Anspannung zur Entspannung, kommen in Berührung mit dem sthira-sukha- Effekt. Stabil, fest und von bestenfalls auch von Freude erfüllt. Ein Energiefluß wird gefördert, Blockaden können sich lösen. Geschmeidig kann man lockerer und entspannter durchs leben gehen. Gestärkt gewinnen wir an Stabilität und Festigkeit.

Aber letztendlich sind Asanas nur ein kleiner Teil vom Ganzen.

Würde man Sie mit den Grundbausteinen einer Suppe vergleichen, so würde ihr Genuss erst vollständig, wenn diese gekocht und gewürzt würde. das übernehmen die anderen Techniken. Eine kalte, rohe und fade Suppe wäre doch nur das halbe Vergnügen.

 

pranayama

 der Mensch ist eng mit seinem Atem verknüpft. Stimmung und Stimmungswandel lassen sich am Charakter des Atems erkennen.

Im Alltagsstress verlieren viele Menschen ihre Anbindung zum Atem. Im Stress gewöhnen sie sich unnatürliche Atemmuster an. Stress engt uns nicht nur mental sondern auch physisch ein- er übt im wahrsten Sinne des Wortes Druck aus. durch den Atem können wir wieder Ruhe und Sicherheit gewinnen- außerdem versorgt er uns auch mit feinstofflicher Energie - Prana.

Der Unterricht bietet  Zeit und Raum, um sich wieder mit dem Atem zu verbinden, wieder größeren Raum für den Atem zu schaffen, bewusster zu atmen und verschiedene Atemtechniken kennen zu erlernen. Wir finden über den Atem zurück zur Ruhe, können unsere Sinne zurückziehen, Stille gewinnen und in der Pause sein. Das Besondere ist diese Pause- Kumbhaka.

 

bandha- mudra

 Das Setzen der Bandhas bewirkt eine Form der Bündelung und Lenkung von Energie- es werden "Verschlüsse" gesetzt. Diese haben nicht nur feinstoffliche Wirkungsweisen, sondern sind auch wichtig um physische Mechanismen in Gang zu setzen. Zum eigenen Schutze werden diese Techniken jedoch erst praktiziert, wenn bereits ein gutes Körperbewusstsein ausgebildet ist.

Die mudras sind eine fortgeschrittenere Praxis. Sie sind das Siegel, sie sichern. Man kann sie auch als Prägung verstehen- sie hinterlassen Eindrücke. Sie gehen im Tantra weit über Handgesten hinaus. (Leider hat das Tantra eine publicity erhalten, die sich auf sexuelle praktiken reduzieren. Dieser Tantrazweig hat hiermit jedoch nichts gemein.)

 

pratyahara

Die Ausrichtung, bzw. der Rückzug der Sinne nach innen. Das Ziel ist sich nicht mehr von äußeren Dingen ablenken zu lassen.

 

dharana- dhyana- Samadhi

 Durch die Meditation können wir an Unterscheidungskraft und neutralen Raum gewinnen. Die einzelnen Glieder dharana, dhyana und samadhi gehen fließend ineinander über. Zunächst mag die Konzentration zum Zwecke des Gedankenrückzuges noch auf einem Objekt liegen (dharana), von eigenen Erfahrungen und Erinnerungen getrübt. Doch auch diese Anhaftungen und Identifikationen werden in der Praxis irgendwann gelöst. Im weiteren Schritt eröffnet sich ein reines verschmelzen mit dem Objekt und eine Auflösung der Sinne- bishin zur völligen Leere, Identitätsauflösung und Gedankenstille. Einfach nur sein- in völliger Glückseeligkeit, Gleichmut, Freiheit, Liebe und Einheit mit Allem.